ARTISTIC RESEARCH / HARMONIE59
Klangbiografie als Methode zur akustischen Identitätsstiftung
Im Zentrum steht die Entwicklung der Klangbiografie als offene künstlerische Methode. Sie erforscht, welche Klänge, Erinnerungen und Assoziationen mit Orten, Menschen, Gegenständen oder abstrakten Konzepten verbunden sind – und wie daraus eigenständige akustische Identitäten entstehen und gestaltet werden können.
Wie beeinflussen Stille, Ton, Geräusch, Stimme und Musik unsere Wahrnehmung von Raum, Zeit und Körper?
Klang gestaltet Wahrnehmung – auch dort, wo seine Quelle nicht sichtbar ist.
Geräusche, Stimmen, Musik und Stille können räumliche Nähe oder Distanz erzeugen, Zeit verdichten, Erinnerungen auslösen und körperliche Reaktionen anstoßen. Das Projekt untersucht Klang daher nicht allein als Begleitung eines Geschehens, sondern als eigenständiges gestalterisches Material.
Der Ausgangspunkt liegt in der künstlerischen Arbeit mit Bühne und Performance. Die Fragen reichen jedoch darüber hinaus: Wie entsteht durch Hören ein Bild von einem Ort, einer Situation oder einer Identität?
Eine offene Methode zur Erkundung und Gestaltung akustischer Identitäten.
Eine Klangbiografie kann sich auf einen Menschen, einen Gegenstand, einen Ort, ein Lebewesen, eine Erinnerung oder ein abstraktes Konzept beziehen. Ausgangspunkte sind hörbare Eigenschaften ebenso wie biografische Spuren, Assoziationen und Vorstellungen.
Die einzelnen Klangbiografien entstehen zunächst eigenständig. Ihre spätere Verbindung muss keiner festen Reihenfolge oder linearen Erzählung folgen: Beziehungen können sich durch Hören, Experimentieren und künstlerische Entscheidungen organisch entwickeln.
Künstlerische Untersuchungen zwischen Aufnahme, Komposition und räumlichem Hören.
Die Forschung verbindet Feldaufnahmen, alltägliche Geräusche, instrumentale und elektronische Klänge mit der Frage nach ihrer räumlichen und zeitlichen Wirkung. Auch die bewusste Abwesenheit von Klang ist Teil des Untersuchungsfeldes.
Aus einzelnen Hörversuchen können neue kompositorische Formen, Klangräume und mehrkanalige Anordnungen entstehen. Die Experimente dienen nicht dazu, ein vorab festgelegtes Ergebnis zu bestätigen, sondern eröffnen neue Fragestellungen.
Ein wachsendes Archiv von Arbeitsprozessen, Beobachtungen und künstlerischen Entscheidungen.
Die Forschung wird von einem Studien- und Arbeitsjournal begleitet. Für Harmonie59 werden daraus ausgewählte Einblicke, Texte, Klangbeispiele und Reflexionen aufbereitet.
Das Portal soll nicht nur abgeschlossene Ergebnisse präsentieren, sondern auch zeigen, wie Fragen entstehen, Ansätze sich verändern und neue Verbindungen zwischen Klangbiografien sichtbar beziehungsweise hörbar werden.